Kritik aus der Borkener Zeitung vom 15. November 2017

 

Familienkonflikte auf offener Bühne

Arthur Millers Drama "Tod eines Handlungsreisenden" berührt die Zuschauer

 

Von Claudia Peppenhorst

 

Borken. Mit tosendem Applaus und stehenden Ovationen bedankten sich am Montagabend die rund 500 Zuschauer für die gelungene knapp dreistündige Theateraufführung von "Tod eines Handlungsreisenden".

Unter der Regie von Harald Demmer brachte das Ensemble der Schauspielbühnen in Stuttgart Arthur Millers Drama in der Bearbeitung von Volker Schlöndorff und Florian Hopf auf die Bühne der Stadthalle.

Handlungsreisender Willy Loman, überzeugend gespielt von Helmut Zierl, ist nach 35 Jahren Vertreterarbeit am Ende. Neumodisch würden es heute einige als Burnout bezeichnen, doch da ist mehr: Loman führt Selbstgespräche, er kann kaum zwischen Gegenwart und Vergangenheit unterscheiden, die Arbeit frisst ihn auf und die Schulden auch. Doch er hält fest am Amerikanischen Traum und seinen moralischen Vorstellungen. "Die Welt ist eine Auster, im Bett lässt sie sich nicht knacken", erklärt Loman seinen Söhnen Biff und Happy - als rotzige Jugendliche unserer Tage überzeugend mit Handy in der Hand und "Ey, Alter!" im Jugendslang auf die Bühne gebracht von Jonas Baeck und Jean Paul Baeck.

Die Söhne durchschauen den Selbstbetrug des Vaters. Mutter Lind (Stephanie Theiß) nimmt ihn in Schutz, versucht vergeblich Verständnis bei Biff und Happy zu wecken für ihren Vater.

Lomans Bruder Ben (Frank Voß) scheint im Leben erfolgreicher als Willy zu sein, ihn stellen Biff und Happy nicht infrage. Auch Willy versucht in seinen Selbstgesprächen Rat vom Bruder zu bekommen. Ein echter Freund für den Handlungsreisenden ist sein Nachbar Charley (Martin Molitor, der gekonnt auch den Gegenpart, Willys Chef Howard Wagner, darstellt).

In weiteren Rollen spielten Nachbarssohn Bernard und Kellner Stanley (Richard Erben), die Frau in Bosten und Miss Forsythe (Marsha Zimermann) mit. In der Schlussszene stand Zierl, sich selbst umarmend, alleine in dem abwechslungsreich gestalteten Bühnenbild. Das Ende von Willy Loman kannte jeder Zuschauer aus der Eingangsszene: nicht zahllose Kunden und Mitvertreter säumen Willys Grab, wie er es sich vorgestellt hatte, sondern nur Ehefrau Linda mit den beiden Söhnen und Freund Charley.

Das 1949 uraufgeführte Stück hat nichts an Aktualität verloren. Familienkonflikte, Arbeitsplatzverlust, Burnout, Existensangst - alles Probleme unserer Zeit, die das Ensemble sehr sensibel und ganz hervorragend umgesetzt hat.

Kritik aus der Borkener Zeitung vom 13. November 2017

 

Ein Ausnahmekünstler am Klavier

Haiou Zhang in der Stadthalle Vennehof / Prädikat: meistens großartig

 

Von Michael Stukowski

 

Borken. Man konnte es spüren, dass Haiou Zhang aus einem anderen Kulturkreis stammt: Beim Applaus vermied es der chinesische Pianist, der etwas gestelzt auftrat, das Publikum direkt anzusehen. Das mag an der Nervösität gelegen haben, schließlich kamen rund 300 Besucher in die Stadthalle. Ungewöhnlich viel für ein klassisches Konzert, zumindest in Borken. Man kann die opulente Schüchternheit aber auch als die vornehme asiatische Zurückhaltung verbuchen.

Denn gar nicht steif wirkte Zhang am Flügel, als er in der Stadthalle Vennehof am Samstagabend sein stilvolles Programm vorstellte. Das war mit köstlichen Perlen der Klavierliteratur nur so gespickt und bot einen Streifzug durch die verschiedenen Epochen. Mit dem Barock und seinem wohl prominentesten Vertreter ging es los - technisch präzise und werkgetreu spielte der Pianist die "Chromatische Fantasie und Fuge d-Moll, BWV 903" von Johann Sebastian Bach.

Seltsam hölzern legte Zhang indes Wolfgang Amadeus Mozarts "Fantasie d-moll KV 397" aus: Im ersten Satz (Andante), bei dem selbst das liebliche Eingangsmotiv nicht geschmeidig wirkte, verzichtete er fast ganz auf Spannungsbögen und übergreifende Phrasierungen, so dass hier manches wie ein zusammengesetztes Fragment klang.

Ganz anders dagegen der zweite Klassiker: Die beliebte "Waldstein-Sonate" ("Klaviersonate C-Dur op. 53") von Ludwig van Beethoven hatte die Spannungskraft und Farbenfülle, die Zhang zuvor noch so schmerzlich vermissen ließ. Köstlich dramatisierte er das Allegro con brio und spielte es so flüssig, dass die Zuhörer sichtlich ergriffen waren. Auch die beiden folgenden Sätze reizte Zhang virtuos aus - nahtlos ging das schwermütige, etwas brüchige Andante in ein beschauliches Allegretto über, das mit seinen leuchtenden Farben wieder Hoffnungsfreude verströmte.

Seelenvoll kam Alexander Skrjabins "Prélude und Nocturne für die linke Hand op. 9" daher und eröffnete mit viel Gefühl den zweiten Konzertteil. Bei den "Les jeux d'eau à la villa d'este" (Franz Liszt) flossen die Phrasen so delikat ineinander über, dass die Wasserspiele zuweilen wie feine Perlenketten anmuteten. Mit zwei impressionistischen Werken klang der beeindruckende Abend aus: Geheimnisvoll und verspielt strömte Claude Debussys"Pour les arpèges composés" (Ètude L 136 Nr. 11) dahin.

Ansatzlos ließ der Pianist mit dieser "Wassermusik" Maurice Ravels "La Valse" verschmelzen. Mal lieblich-verschmitzt, dann wieder vehement-auftrumpfend schimmerte immer wieder das Walzermotiv durch.

Wenn die Musik zwischendurch eingängig zu werden drohte, folgten prompt offene Harmonien und dissonante Phrasen, die den Walzercharme vertrieben, aber die köstliche Spannung aufrechterhielten.

Danach gab es zu Recht Bravorrufe, und viele der 300 Besucher standen auf, um dem Ausnahmekünstler herzlich zu applaudieren.

Liebe Musik- und Theaterfreunde,

 

eine wunderbare Saison liegt nun hinter uns. Wir möchten es nicht versäumen uns bei Ihnen, unserem Publikum, den Künstlern, dem Team der Stadthalle Vennehof, den Sponsoren der Kulturgemeinde und den vielen fleißigen Helfern herzlich zu bedanken.

 

Ab Herbst starten wir mit der neuen Saison und heißen Sie wieder herzlich willkommen. 

 

Genießen Sie 9 x Theaterabende im Vennehof an denen Sie Freude haben, lachen, staunen, durchatmen, verblüfft sein oder jubeln werden.

Sie erleben in unserer Borkener Konzertreihe musikalische Sternstunden mit Künstlern von internationalem Rang, deren lebendige Interpretationen auch in den großen Metropolen der Welt zu hören sind. Sichern Sie sich ein Abo, der Vorverkauf hat bereits gestartet!

Schul-/Sonderveranstaltung/Abo+: Ein Lustspiel von Heinrich von Kleist "Der zerbrochene Krug" für Oberstufenschüler und Klassikinteressierte (Achtung neuer Termin!!!) und das Familienmusical "Der kleine Lord" stehen auf dem Programm.
Das Trio STORNO schlägt mit seiner "Abrechnung 2017"  gleich zweimal in Borken satirisch zu. Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther lassen dabei kein Auge trocken. (!!!Restlos ausverkauft!!!)

Auch das Kindertheater  und das Kindermitmachkonzert bietet Spannung und Unterhaltung nicht nur für die Kleinen.

 

Lehnen Sie sich zurück und lassen Sie sich unterhalten!

Wir wünschen Ihnen und uns eine anregende und spannende Spielzeit.

 

Ihr
Kulturgemeinde-Team

Tourist-Info Borken
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