1. Konzert der Borkener Konzertreihe: Farrenc-Ensemble

R. Schumann, L. Farrenc u.a.

Berit Cardas, Violine / Klaus Christa, Viola / Mathias Johansen, Violoncello / Leon Bosch, Kontrabass / Akiko Shiochi, Klavier

 

Das international besetzte Farrenc-Ensemble setzt sich verstärkt für Komponistinnen ein. Die fünf Musiker stammen aus unterschiedlichen Ländern, von Norwegen bis Südafrika. Sie benannten ihr Quintett nach der Komponistin Louise Farrenc, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris große Erfolge feierte.

Jeder der Musiker geht seiner eigenen Solo-Karriere nach. Alle Fünf vereint jedoch die Leidenschaft für kammermusikalische Raritäten, was durch zahlreiche Live-Mitschnitte des Österreichischen Rundfunks dokumentiert ist.

 

„Es war die perfekte Mischung aus überschäumender Kreativität, viel Feingefühl und Fantasie, mit der die fünf Musiker das Publikum restlos begeisterten.“ (Vorarlberger Nachrichten)

„…mit Leidenschaft musiziert…“ (Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft)

Kritiken

Kritik aus der Borkener Zeitung vom 06.10.2020

Farrenc-Ensemble präsentiert Musik unbekannter Komponistinnen
Die Klassiker blieben im Noten-Schrank

Von Claudia Peppenhorst

Borken. Die Borkener Konzertreihe startete am Sonntagabend in der Stadthalle im Vennehof mit einem besonderen Konzert in ihre neue Saison. Über 100 Zuhöhrer genossen unter Corona-Sicherheitsabstand die hervorragende Präsentation des Farrenc-Ensembles. Fünf Musiker, die sich zum Grundsatz gemacht haben, die Musik unbekannter Komponistinnen des 19./20. Jahrhunderts nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Schon Robert Schumann hatte das "air russe varié" (op. 17), den ersten Publikumserfolg der Französin Louise Farrenc, wohlwollend in seiner Musikzeitschrift rezensiert. So startete der Kammermusikabend mit dem Klavierquartett Es-Dur, op. 47 von Robert Schumann. Mayumi Kanagawa (Violine), Klaus Christa (Violoa), Mathias Johansen (Cello) und Katya Apekisheva (Klavier) präsentierten das viersätzige Werk mit großer Brillanz. Mit einer unbestimmten, gleichsam träumerische Atmosphäre der langsamen Introduktion holten die Musiker sich und das Publikum aus den Alltagssorgen heraus. Geheimnisvoll schwirrend entwickelte sich die Melodie des zweiten Satzes. So gab's zu Beginn schon viel Applaus.

Mélanie Bonis (1858-1937) ist den Zuschauern als Komponistin ebenfalls nicht bekannt. Im Gegensatz zu Farrenc hatte sie es viel schwerer, ihr Mann war kein Musikverleger, der ihre Werke druckte, sie hatte keine Klavierprofessur wie Farrenc. Dafür schien dem Publikum an diesem Abend ihr Klavierquartett Nr. 1 B-Dur op. 69 besser zu gefallen. Die zarten Anklänge an die Tonalität von Debussy jedoch mit einem ganz eigenen Duktus und die leidenschaftliche Melodieführung, die sich im dritten Satz zu einem Zwiegespräch zwischen Violine/Viola und Cello entwickelte bei der das Klavier kommentierende Funktion übernahm, ließ die Zuhörer dahin schmelzen.

Nach der Pause - in der die Coronaregeln mit dem Tragen von Mund-Nase-Schutz, nicht so ernst genommen wurden - gesellte sich zu dem Quartett Dominik Emanuel Wagner (Kontrabass) dazu. Louise Farrenc Quintett Nr. 1 a-moll, op. 30 zeigte sich als voluminöses, wohlklingendes aber auch diffizil ausgearbeitetes viersätziges Stück. Leichtfüßig auf der einen Seite, choralhaft auf der anderen. Mag sein, dass das Publikum nach den vier Sätzen so nachdenklich geworden war, dass es den richtigen Zeitpunkt für den Beifall verpasste. Wach wurde es, als sich die Musiker dann selber, geraume Zeit nach dem letzten Ton, erhoben. Dann wurde alledings nicht mit Applaus gespart.