Auerhaus

Schauspiel nach dem Spiegelbestseller von Bov Bjerg

Mit Charlotte Mednansky u. a.
Regie: Philippe Besson

Auerhaus”: das neue „Tschick”

Ende der 1980er in der Provinz. Sechs Freunde und ein Versprechen: Ihr Leben soll nicht in Ordnern mit der Aufschrift »Birth – School – Work – Death« abgeheftet werden. Deshalb ziehen sie gemeinsam ins Auerhaus, das so heißt, weil die Nachbarn von dort ständig den Hit „Our House“ von Madness hören, aber kein Wort Englisch verstehen. Also: Auerhaus wie Auerhahn (oder doch wie Aua-Haus?).
Eine Schüler-WG auf dem Land – unerhört.
Aber die Auerhaus-Bewohner wollen nicht nur ihr eigenes Leben leben, sondern vor allem das ihres Freundes Frieder retten, der schon einmal versucht hat, sich umzubringen – und immer noch nicht sicher ist, warum er überhaupt leben sollte.
Die Verantwortung teilt sich Frieders bester Freund Höppner mit seiner ab-und-zu-Freundin Vera, die weder in Bezug auf Liebe noch auf Eigentum an Exklusivität glaubt. Mit von der Partie sind außerdem Cäcilia, die sich weigert, das Leben ihrer reichen Eltern zu erben, die bildschöne Brandstifterin Pauline und der womöglich schwule Dealer Harry.
Zwischen süßem Imiglykos, Fertignudeln und Musterungsakte proben die sechs das Leben, das Stehlen und den Aufstand. Es ist die Zeit ihres Lebens.
Und gegen die Angst um Frieder wird angelebt – mit voller Kraft. Gemeinsam.
Aber das kann natürlich nicht ewig so weiter gehen…

EURO-STUDIO Landgraf in Zusammenarbeit mit tjg. theater junge generation, Dresden

 

Über Bov Bjergs Überraschungsbestseller hieß es im Deutschlandradio:
»Bov Bjerg erzählt mit hinreißendem Ton und größtem Gespür für seine jungen Protagonisten von Freundschaft, Lebensmüdigkeit, Trost und Liebe. Jeder Satz sitzt. Jeder Satz trifft. (…) Die Wärme, der Klang und vor allem die Kraft dieses Romans wirken noch lange nach.«

Pressestimme zur Dresdner Premiere:

EINER FLIEGT RAUS
„Auerhaus“ feierte Premiere im tjg. [theater junge generation Dresden]
Als der deutsche Autor Bov Bjerg 2015 seinen Jugend-Roman „Auerhaus“ veröffentlichte, war ihm ein großer Wurf gelungen. Die Geschichte der sechs sehr unterschiedlichen Jugendlichen, die auf einem Dorf in Hinter-Deutschland in ein verwaistes Haus ziehen und dieses mit einem radikal-alternativen Lebensentwurf füllen, beunruhigte und berührte die Leserschaft sofort. (…) So ist es sicher kein Zufall, dass das tjg unter der Intendanz von Felicitas Loewe „Auerhaus“ (…) ausgewählt hat. (…)
Und dann leben sie, genau wie Jugendliche vermutlich zu allen Zeiten leben wollen. (…) Es gibt Nudeln mit Ketchup, Zweiliterflaschen Wein, die Musterungsakte im Tiefkühlfach, Joints, Partys und Ladendiebstähle für die Aufbesserung der Gemeinschaftskasse sowie des Freiheitsgefühls. Es ist herrlich einfach und erschreckend kompliziert, unglaublich befreiend und extrem grenzverletzend. Regisseur Philippe Besson und Dramaturgin Kathi Loch lassen die Musterungsszene ganz von oben herab sowie im regionalen Dialekt spielen. So als gäbe es noch das Königreich Württemberg als Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation oder gar das Deutsche Reich vor 1945. In der Welt der Jugendlichen aber wird Hochdeutsch gesprochen – ein guter Einfall, der den „geteilten Himmel“ in ein Bild übersetzt.
Ganz hervorragend gelungen ist auch die Einbindung der Songs, nicht nur des namengebenden „Our House“ von Madness. Keiner der Songs wirkt zufällig, jeder wird von den Schauspielern in Bewegung umgesetzt. Bis es zum Schluss einfach „groovt“ und das „coole“ Gefühl auch noch auf dem Nachhauseweg da ist. (…)
Wie die Gemeinschaft scheitert, ist noch einmal sehenswert, ein „ganz großes Kino“ mit Spritztour im Amischlitten, Pistolenattrappe und Gerichtsverhandlung.
Andrea Rotte, Dresdner Neueste Nachrichten, 22.04.2017